Strom vom Nachbarn statt vom Großkraftwerk: Wie Sie durch Energiegemeinschaften Netzkosten sparen

Wer seine Stromrechnung in Österreich genau ansieht, merkt schnell: Der reine Energiepreis ist oft gar nicht der größte Brocken. Ein erheblicher Teil der Kosten entfällt auf Steuern, Abgaben und vor allem: Netzgebühren. Doch genau hier bietet der Gesetzgeber durch das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) einen entscheidenden Hebel. Wer Teil einer Energiegemeinschaft ist, zahlt weniger für die Nutzung des Stromnetzes.


Das Prinzip „Pizza-Lieferung“: Warum Transport Geld kostet

Um zu verstehen, warum Strom in einer Gemeinschaft günstiger transportiert werden kann, hilft ein einfacher Vergleich:

Wenn Sie eine Pizza bestellen, die aus einer 500 Kilometer entfernten Stadt geliefert wird, wären die Lieferkosten astronomisch. Bestellen Sie die Pizza jedoch beim Italiener zwei Straßen weiter, ist die Lieferung günstig oder sogar kostenlos.

Genauso funktioniert unser Stromnetz. Wenn Strom von einem Windpark in der Nordsee oder einem Gaskraftwerk im Ausland zu Ihnen nach Hause geleitet wird, beansprucht das unzählige Leitungen, Umspannwerke und Transformatoren. Das kostet Geld. Wenn Sie jedoch den Solarstrom vom Dach Ihres Nachbarn oder aus der PV-Anlage Ihrer Gemeinde beziehen, ist der Weg physikalisch viel kürzer. Und das belohnt der Staat.

Der „Nahebereichsvorteil“: Bis zu 28% Ersparnis

Innerhalb einer Erneuerbaren-Energie-Gemeinschaft (EEG) oder einer Bürgerenergiegemeinschaft (BEG) greift die sogenannte Netzkostenverordnung. Da der Strom regional verbraucht wird und die überregionalen Hochspannungsleitungen entlastet, erlässt Ihnen der Netzbetreiber einen Teil der Gebühren.

Was genau wird günstiger?

Die Ersparnis betrifft den Arbeitspreis der Netznutzungsentgelte. Je nach Art der Gemeinschaft (lokal oder regional) können Sie hier massiv sparen:

  • Im Lokalbereich (Niederspannung): Wenn Erzeuger und Verbraucher am selben Transformator hängen, ist die Ersparnis am höchsten (oft über 50% der Netzkosten).
  • Im Regionalbereich (Mittelspannung): Hängen die Teilnehmer am selben Umspannwerk, sind immer noch Einsparungen von ca. 28% möglich.
  • In der österreichweiten BEG: Auch hier gibt es Modelle und Vorteile, die den Bezug von Gemeinschaftsstrom oft attraktiver machen als den klassischen Netzbezug, insbesondere durch den Wegfall bestimmter Abgaben (z.B. Elektrizitätsabgabe bei Eigenverbrauchskonzepten).

Warum das auch für Einspeiser (Verkäufer) wichtig ist

Vielleicht fragen Sie sich als PV-Anlagenbesitzer: „Ich will Strom verkaufen, was interessieren mich die Netzkosten?“

Die Antwort ist einfach: Attraktivität.
Weil der Strom aus der Gemeinschaft für die Verbraucher (Ihre Nachbarn, lokale Unternehmen) durch die reduzierten Gebühren günstiger ist, gibt es eine extrem hohe Nachfrage nach Ihrem Strom. Während große Energieversorger Ihren PV-Überschuss oft nur widerwillig abnehmen, reißen sich Energiegemeinschaften quasi darum.

Das sichert Ihnen als Einspeiser:

  • Stabile Abnahme: Der Strom bleibt in der Region und wird dort gebraucht.
  • Faire Preise: Da der „Gesamtpreis“ für den Käufer sinkt (wegen weniger Gebühren), bleibt mehr Spielraum für eine faire Vergütung des Produzenten. Es ist eine Win-Win-Situation.

Fazit: Ein intelligentes System für alle

Die Energiewende bedeutet nicht nur, grüne Kraftwerke zu bauen. Es bedeutet, Energie intelligent zu verteilen. Durch den Beitritt zu einer Gemeinschaft nutzen Sie das öffentliche Netz effizienter – und das spiegelt sich direkt auf Ihrer Jahresabrechnung wider.

Egal ob Sie eine Solaranlage besitzen oder einfach nur günstigeren Strom beziehen wollen: Der „Rabatt“ bei den Netzkosten ist eines der stärksten Argumente, den alten Versorgerstrukturen den Rücken zu kehren.

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